Über Gewalt:

Gewalt:

Gewalt ist die Bezeichnung für jedes Handeln einer Person, das zur Verletzung der körperlichen Integrität einer anderen Person führt. Häusliche Gewalt findet in familiären Kontexten, meist zwischen Personen, die in einer Paarbeziehung leben, statt.

Es lassen sich zwei Muster unterscheiden:

  1. Häusliche Gewalt als spontanes Konfliktverhalten: Eine Situation spitzt sich zu und ein verbaler Konflikt entgleitet. Dabei sind Gefühle wie Frustration, Überforderung oder Stress nicht mehr kontrollierbar und entladen sich in der Gewalt.
  2. Häusliche Gewalt als systematisches Kontroll- und Machtverhalten: Dabei wird regelmäßig Gewalt ausgeübt, um die*den Partner*in in eine dauerhaft unterlegene Position zu versetzen und eigene Macht- und Herrschaftsansprüche durchzusetzen.

Als Formen Häuslicher Gewalt kann unter körperlicher, psychischer/seelischer, ökonomischer, sozialer und sexualisierter Gewalt unterschieden werden.

Jede dieser Formen von häuslicher Gewalt tritt selten in der Reinform auf, sie greifen ineinander!

Wir sehen in unserer Beratungstätigkeit Gewalt als gegenwärtige Entscheidung. Dabei ist Gewalt nur eine der möglichen Handlungsalternativen, welche für Opfer von Gewalt und für Täter*innen weitreichende psychische, physische sowie familiäre und strafrechtliche Konsequenzen haben kann.

Wenn Sie sich als gewaltausübende Person hier wiederfinden, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf.

Gewaltkreislauf

Häusliche Gewalt folgt in vielen Fällen dem Muster des Gewaltkreislaufes. Im Gewaltkreislauf wird deutlich, dass Beziehungsgewalt meist Wiederholungsgewalt ist und somit aus dem Gewaltkreislauf eine Gewaltspirale wird. Die Intensität der Gewalthandlungen sowie deren Häufigkeit nehmen in der Regel zu. Innerhalb der Gewaltberatung hilft das Modell des Gewaltkreislaufes dem*der Täter*in, sich seiner*ihrer Verantwortung und des eigenen Standpunktes klarer zu werden und somit aus dem Kreislauf auszusteigen.

Gewaltkreislauf
Bild Gewaltkreislauf

Personen, die noch nicht gewalttätig geworden sind, hilft unser Beratungsangebot dabei, Krisensituationen gewaltfrei zu lösen. Unserem Beratungsangebot liegt der Präventionsgedanke zugrunde. Wir verstehen die Arbeit mit Täter*innen als Opferschutz.

Unsere Haltung - Gendersensible Gewaltberatung

Wir nehmen war, dass Frauen als Ausübende von Häuslicher Gewalt in unserer Gesellschaft gegenwärtig noch wenig Aufmerksamkeit finden. Ihre Taten werden häufig nicht als solche identifiziert und/ oder bagatellisiert. Personen, die nicht als Cis-Mann oder Cis-Frau gesehen werden, werden im Unterstützungssystem von Häuslicher Gewalt selten als Zielgruppe angesprochen.

In unserer Beratungsstelle sind alle Menschen, unabhängig ihrer Geschlechtsidentität oder sexueller Ausrichtung willkommen, die an ihrer Gewalt- und/ oder Aggressionsproblematik arbeiten wollen.

Wir verstehen Gewalt als ein jedem Menschen innewohnendes Potential. Jede Person kann handgreiflich werden oder andere Formen von Gewalt ausüben. Wir knüpfen in den Einzelberatungen an individuellen Erfahrungen, Ressourcen, Beziehungsmustern und Charaktereigenschaften an und suchen gemeinsam nach Wegen aus der Gewaltspirale. Dabei kann in den Gesprächen die eigene Geschlechtsidentität eine Rolle spielen, wenn sie einen Einflussfaktor auf Gewaltausübung darstellt. Wir sehen eine Verknüpfung von Geschlecht und Gewalt aber nicht per se als gegeben.

Gerne gehen wir auch in den Diskurs mit interessierten Personen zu dieser Thematik.

Im Notfall

können Sie eine Eskalation verhindern, indem Sie:

  • die Situation verlassen, z. B. aus der Wohnung gehen. Dies ist kein Weglaufen, sondern verantwortungsvolles Handeln, um einer Eskalation entgegenzuwirken.
  • für einige Tage zu Freund*innen oder in ein Hotel ziehen. Dies schafft für Sie die Möglichkeit, dass sich Ihre Emotionen beruhigen und Sie so wieder konstruktiv handlungsfähig werden.
  • nicht um jeden Preis einen Streit klären wollen. Wichtiger ist es, dass Sie eine Eskalation oder weitere Gewalt verhindern.
  • vermeiden Sie den Konsum von Alkohol/Drogen! Die jeweilige Wirkung vermindert Ihre Fähigkeit zur Impulskontrolle sowie zu überlegtem situativ angebrachtem Handeln.
  • die Beratungsstelle Gewaltberatung Nürnberg kontaktieren, um telefonisch Schritte aus Ihrer spezifischen Situation zu finden.

Mit diesen einfachen Vorschlägen können Sie in einer Krisensituation zeitliche und räumliche Distanz schaffen und die erste Zeit überbrücken. Wenn Sie Hilfe und Unterstützung brauchen, rufen Sie uns an.

Hilfen für männliche Opfer von häuslicher Gewalt

Falls Sie männliches Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, finden Sie bei folgenden Stellen Hilfe und Unterstützung:

Beratungsstelle häusliche Gewalt gegen Männer
Philipp Schmuck
Telefon (09 11) 27 29 98 20
schmuck@iska-nuernberg.de
Gostenhofer Hauptstr. 63,
90443 Nürnberg
DAS MÄNNER-SCHUTZ-PROJEKT NÜRNBERG

Riposo- Hilfe für von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffene Männer der caritas Nürnberg. Mehr Informationen finden Sie auf deren Homepage.